Karin Obermaier: Ein Leben für die Musik

Blechbixn, Blechbixn Landhust, Blechmusik Bayern, Bairische Lieder, Bands sinden und bairisch, bayerische MusikerSie war nach dem Studium der Wirtschaftsinformatik als Redakteurin in der Musikbranche unterwegs. Vor zwei Jahren entschloss sie sich endlich dazu, ihr Leben komplett der Musik zu widmen – also gründete sie zusammen mit ihren Freundinnen nicht nur die Band BLECHBIXN, sondern studiert nebenher elementare Musikpädagogik. Karriere München hat sich mit Karin Obermaier über ihren Lebensweg und ihre Karriereentscheidungen unterhalten.

Als Wirtschaftsinformatiker hat man glänzende Berufs­aussichten – warum wollten Sie nicht zunächst in der IT durchstarten?
Ich habe drei Jahre parallel zum Bachelorstudium in der IT-Branche gearbeitet, was mir auch sehr viel Spaß gemacht hat. Aber mein Herz schlug immer schon für die Musik und ich möchte mein Leben gerne mit etwas füllen, das für mich Sinn macht und die IT war es dann einfach nicht. Die Trennung war eigentlich auch nicht allzu hart, die Informatik und ich wollen Freunde bleiben … 🙂

Nach dem Master sind Sie auf große Weltreise gegangen – wie lange, wie haben Sie sich in der Zwischenzeit finanziert und war das nötig, um die BWL wieder aus dem Kopf zu bekommen?
In meinem Masterstudium habe ich meine Freundin und Weltreisepartnerin Dani kennengelernt und wir haben nach der großen Abschlussprüfung einfach die Koffer gepackt, ein Around-the-world-Ticket gekauft und sind für ein halbes Jahr abgehauen: von Mittel-und Südamerika, über Neuseeland, Singapur, Malaysia bis nach Thailand. Da ich neben dem Studium schon immer viel gearbeitet habe und wir eher sehr low-budget gereist sind, war die Finanzierung überhaupt kein Problem. Ich glaube, das war die intensivste, aufregendste Zeit, die ich je erlebt habe – mit vielen inspirierenden Menschen, Momenten und Begegnungen. Und natürlich macht man sich auf einer solchen Reise viele Gedanken über das Leben, die Zukunft und über sich selbst, man lernt sich einfach noch besser kennen. Und man weiß dann plötzlich auch ganz genau, wo man seine Wurzeln hat. Die BWL war da wirklich ganz schnell aus meinem Kopf.

Wie kam es im Studium zur Gründung der Blechbixn? Wie haben Sie sich kennengelernt?
Wir kennen uns alle noch aus der Schulzeit, haben da auch schon in diversen Orchestern und Chören miteinander musiziert. Ich versuchte neben den trockenen IT- und BWL-Themen immer eine Brücke zur Musik zu schlagen und da kam mir dann auf einem Konzert, auf dem ich selbst nur Besucherin war, die Idee, eine eigene Band zu gründen. Ich rief die Mädels direkt nach dem Konzert an, sie sagten alle sofort zu und schon waren die Blechbixn geboren.

Waren Blechinstrumente schon immer Teil Ihres Lebens?
Eigentlich wollte ich unbedingt ein Instrument lernen, mit dem ich zusammen mit meinem Papa musizieren kann. Er selbst spielt steirische Harmonika und da mein Nachbar zufällig Trompetenlehrer war, war die Instrumentenwahl relativ schnell klar. Und irgendwie wird man durch die Aufnahme in die örtliche Blaskapelle ganz automatisch zum Blasmusikfanatiker – das ist so eine intensive, ansteckende Freude an der Musik und ein Gemeinschaftsgefühl, das ein Leben lang anhält. Also komm ich jetzt leider nie wieder weg von der Blasmusik – für immer im Blasmusikfieber, addicted quasi.

Was motiviert sie daran, auf Bairisch zu singen?
Das ist die einzige Sprache, die für mich/uns in Frage kommt, einfach weil sie unsere Muttersprache ist. Musik zu machen ist etwas sehr Emotionales und in keiner anderen Sprache kann man diese Emotionen so gut ausdrücken wie in der Muttersprache.

Einige der Songs eures neuen Albums Aus.Äpfe.Amen sind ins Bairische übersetzte Klassiker – von den Spice Girls etwa. Birgt das nicht das Risiko, mit einer Coverband verwechselt zu werden?
Unser aktuelles Konzertprogramm Aus.Äpfe.Amen enthält genau zwei Covernummern. Wir sind ja keine typische Bierzelt-, Tanz- oder Hochzeitsband und schreiben die meisten Songs inzwischen selbst. Das ist ein sehr schönes Gefühl! Unser Ziel ist es ja, die immer noch männlich dominierte Blasmusikszene aufzumischen.

Aktuell studieren Sie erneut auf Bachelor, dieses Mal elementare Musikpädagogik. Sollte Ihnen zukünftig die Frage nach dem „krummen“ Lebenslauf gestellt werden – was wäre Ihre Antwort?
Wenn man die Hintergründe kennt, wirkt der Lebenslauf gar nicht mehr so krumm. Ich habe einfach immer den Weg zur Musik gesucht und auch die Möglichkeit, davon leben zu können. Und nach dem Abitur zunächst mal was Bodenständiges zu studieren, hat ja auch nicht geschadet. Eine Musikerin mit BWL-Kenntnissen kann man in jeder Band brauchen. Meine Mädels sind froh, dass ich mich zum Beispiel um die Steuererklärung kümmere. Und als Redakteurin war ich ja auch in der Musikbranche unterwegs, meine Lehrtätigkeit beinhaltete unter anderem Musikunterricht. Vor zwei Jahren habe ich mich endlich dazu entschlossen, mein Leben komplett der Musik zu widmen, deshalb studiere ich jetzt einfach nochmal. Ich bin sehr glücklich, das Privileg zu haben, meine große Leidenschaft endlich zum Beruf machen zu dürfen.

Achtung, Ironie. Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Salsa tanzend am kubanischen Strand mit einer Trompete in der Hand … oder so ähnlich. Eigentlich ist es mir gar nicht so wichtig, wer, wo oder was ich in zehn Jahren bin. Ich möchte einfach selbst Musik machen, jungen Leuten diese Passion weitergeben und den Menschen da draußen Freude mit meiner Musik bereiten.


Die neue CD der Blechbixn „Aus.Apfe.Amen“ erscheint am 13. Oktober 2017, alle Konzerte unter: www.blechbixn.de

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