
„Eine ganz bewusst geschaffene Schnittstelle“ – Neue Wege im Gesundheitsstudium an der Hochschule München
Ab dem Wintersemester 2026/27 bietet die Hochschule München zwei neue Studiengänge an, die Gesundheit ganz neu denken: Digital and Public Health und Health and Engineering verbinden Medizin und Pflege mit Data Science, Informatik und Elektrotechnik. Getragen von der neuen Studienfakultät MUC Health, setzen beide Programme auf eine enge Zusammenarbeit zwischen den Fakultäten. Gemeinsame Module sollen die Studierenden beider Studiengänge von Anfang an zusammenbringen. Im Interview erklären die Studiengangsleitungen aus Digital and Public Health Prof. Dr. Monika Schaffner und Prof. Dr. David Spieler, was die beiden Programme unterscheidet, wie Digitalisierung im Studienalltag konkret spürbar wird und welche Berufsperspektiven sich für Absolventinnen und Absolventen eröffnen.
Zum Wintersemester 2026/27 gibt es an der Hochschule zwei neue Studiengänge: Digital and Public Health und Health and Engineering. Wie unterscheiden sich die beiden Studiengänge – und was verbindet sie?
Monika: MUC Health, unsere Studienfakultät, gibt es erst seit vergangenem Oktober. Der Wunsch der Hochschule München war, den Bereich Gesundheit breiter und interdisziplinär aufzustellen – mit Studienangeboten, die von mehreren Fakultäten gemeinsam getragen werden.
Daraus sind zwei Studiengänge entstanden: Digital and Public Health besteht hauptsächlich aus der Fakultät 11 und der Fakultät 7. Ich selbst komme aus der Fakultät 7 – wir wollen eine Mischung aus Gesundheit, Informatik und Data Science schaffen.
Health and Engineering dagegen ist ein Schnittstellenstudiengang aus Gesundheit und Elektrotechnik, ebenfalls mit geteilter Studiengangsleitung. Dort geht es stärker um Technik und Produktentwicklung bis hin zu Gebäudetechnik. Bei uns geht es dagegen eher um Daten und KI und um die Schnittstellen zur Gesundheit.
David: Eine schöne Synergie ist, dass wir immer auf der Suche nach spannenden Anwendungsfeldern für unsere Informatik- und Data-Science-Kompetenzen sind, die früher oft eher losgelöst von einem konkreten Bereich unterrichtet wurden. Mit Digital and Public Health können wir diese Kompetenzen jetzt ganz konkret mit dem Gesundheitsbereich verbinden. Die Studierenden wissen dadurch von Anfang an, wofür sie die Inhalte brauchen und wo sie zur Anwendung kommen.
Und es gibt noch eine zweite, ganz bewusst geschaffene Schnittstelle: zwischen Digital and Public Health und Health and Engineering. Wir unterrichten in jedem Semester ein gemeinsames Modul, damit sich die Studierenden beider Studiengänge von Anfang an kennenlernen. Im vierten Semester gibt es zum Beispiel ein gemeinsames Modul zur Projektentwicklung, das sie im Praxissemester weiterführen können, und bis zum siebten Semester bekommen sie gemeinsam Werkzeug für den sogenannten Market Access – also wie man ein Produkt erfolgreich einführt, sich von Krankenkassen erstatten lässt und Richtung Health-Startup-Management geht. Wir unterstützen die Studierenden dabei auch bis zur Gründung, wenn sie das möchten.
Semesterübergreifend soll es außerdem ein großes gemeinsames Projekt für beide Studiengänge geben, an dem im besten Fall auch andere Fachrichtungen wie Elektrotechnik, Informatik, Data Science und Pflegewissenschaft mitarbeiten.
Digitalisierung spielt also in beiden Programmen eine Rolle. Aber wie wird das für die Studierenden konkret spürbar? Wie arbeiten sie damit?
Monika: Digitalisierung zieht sich durchs ganze Studium, am stärksten spürbar ist sie aber in den verzahnten Modulen. Wir wollten den Studiengang bewusst nicht in einen Gesundheits- und einen Informatikbereich trennen, sondern genau diese Verzahnung erlebbar machen. Im ersten Modul geht es zum Beispiel um empirische Sozialforschung und gleichzeitig um Datenauswertung und -visualisierung: Die Studierenden lernen, wie man Daten erhebt – etwa mit einem Fragebogen –, und im nächsten Schritt, wie man diese Daten so auswertet und visualisiert, dass die jeweilige Zielgruppe versteht, was erhoben wurde.
David: Digitalisierung betrifft bei uns zwei Ebenen: die Inhalte, die wir vermitteln, und die Methodik der Lehre selbst. Als Fakultät 7 für Informatik und Mathematik sehen wir es auch als unsere Aufgabe, entsprechende Kompetenzen in die anderen Studienbereiche einzubringen, mit Fokus auf Automatisierung monotoner Aufgaben. Gemeinsam mit meinem Kollegen Böhm legen wir in der Lehre außerdem Wert auf moderne Methoden – weg von der klassischen Frontalvorlesung, hin zu Flipped Classroom, Learning Nuggets und Ähnlichem, um die Lehr- und Lernprozesse möglichst interaktiv zu gestalten.
Technisch sind wir an beiden Campus sehr gut ausgestattet und bieten zum Beispiel auch Hybridlehre an. In unserem Pflege-Labor können wir Simulationen durchführen, die per Video und Audio aufgezeichnet werden – eine Idee ist, diese künftig KI-basiert auszuwerten, um Studierenden gezielt zu spiegeln, wo sie noch Lernpotenzial haben.
Eine große Rolle spielt außerdem die enge Zusammenarbeit mit Praxispartnern – von Medizintechnik- und Pharmaunternehmen über Forschungsinstitute bis hin zu Kliniken. Erst kürzlich hatte zum Beispiel eine Klinik aus Frankfurt großes Interesse angemeldet, unsere Studierenden für Praktika und später auch für Anstellungen zu bekommen.
„Wir wollen eine Mischung aus Gesundheit, Informatik und Data Science schaffen.“
Sind denn auch feste Praxisphasen im Studium vorgesehen?
Monika: Ja, genau. Wir haben ein fest integriertes Praxissemester. Zusätzlich bieten wir das hochschulweite Modell „Studium mit vertiefter Praxis“ an: Die Studierenden haben von Anfang an einen Praxispartner, bei dem sie auch in den vorlesungsfreien Zeiten arbeiten und später das Praxissemester sowie im besten Fall auch die Bachelorarbeit verbringen.
Gibt es auch die Möglichkeit, das Studium international auszurichten – also Auslandssemester oder Partnerhochschulen?
Monika: Das International Office der Hochschule München kümmert sich um Auslandssemester. Es gibt die Möglichkeit, innerhalb der EU über Erasmus ein Semester zu machen, außerdem Partnerhochschulen außerhalb der EU – bis nach Australien, Südamerika, teilweise auch in die USA und nach Kanada. Und man kann sich auch ganz eigenständig eine Universität suchen; das International Office unterstützt bei allen drei Varianten.
David: Wir raten den Studierenden, sich so früh wie möglich darum zu kümmern. Man kann zum Beispiel auch das Praxissemester direkt im Ausland machen – ansonsten ist der Zeitpunkt eigentlich offen.
„KI-Tools müssen weiterhin von erfahrenen Fachleuten beaufsichtigt werden, und es braucht weiterhin menschliche Intelligenz – zum Beispiel im echten Gespräch mit Ärztinnen und Ärzten im Krankenhaus, um herauszufinden, was tatsächlich gebraucht wird.“
Welche konkreten Berufsbilder kann man sich mit dem Abschluss vorstellen – und gibt es da wieder Unterschiede je nach Studiengang?
Monika: Absolventinnen und Absolventen des Digital-and-Public-Health-Studiengangs sehe ich vor allem in der Gesundheitsforschung an Universitäten und Forschungsinstituten, bei Kranken- und Pflegekassen – die durch die elektronische Patientenakte enorme Datenmengen zu bewältigen haben –, in Kliniken, wo digitale Prozesse implementiert und evaluiert werden müssen, und in Digital-Health-Unternehmen. Dafür gibt es inzwischen sogar ein eigenes Berufsbild, die sogenannte Digital Health Nurse, ein Begriff, der aus dem US-amerikanischen Raum kommt.
David: Die Hochschule München unterstützt außerdem sehr gut bei Gründungen, falls aus dem Studium heraus eigene Produktideen entstehen – es muss also nicht die klassische Angestelltenkarriere sein. Und natürlich sind auch Gesundheitsämter oder das Gesundheitsministerium mögliche Arbeitgeber.
Für junge Menschen stellt sich ja auch die Frage nach der Zukunft dessen, was man studiert – gerade mit Blick auf KI. Ist zum Beispiel Programmieren dadurch bedroht?
David: Aus meiner Erfahrung würde ich sagen: nein. Die Tools müssen weiterhin von erfahrenen Fachleuten beaufsichtigt werden, und es braucht weiterhin menschliche Intelligenz – zum Beispiel im echten Gespräch mit Ärztinnen und Ärzten im Krankenhaus, um herauszufinden, was tatsächlich gebraucht wird. Gleichzeitig sind diese Tools unglaublich gewinnbringend, deshalb bauen wir gezielt Module auf, die den Studierenden starke KI-Kompetenzen mitgeben.
Dann kommen wir eigentlich schon zu meiner letzten Frage: Wie unterstützt die Hochschule München die Studierenden dabei, nach dem Abschluss einen Job zu finden?
Monika: Seit Langem gibt es die Hochschulkontaktmesse, bei der viele Unternehmen zu uns kommen und sich vorstellen. Außerdem gibt es Speed-Dating-Formate, die gezielt auf den Bewerbungsprozess ausgerichtet sind: Unternehmen mit Interesse an bestimmten Studierenden können sich melden, es kommt zu einem reservierten Austausch, und beide Seiten können einschätzen, ob es passt. Ich glaube aber, dass die größte Stärke dieses Studiengangs die enge Zusammenarbeit mit Praxispartnern von Anfang an ist – dadurch entstehen ganz natürlich Kontakte.
David: Ich denke, auch der Standort München an sich ist ein großer Faktor. Wo Innovationen stattfinden und innovative Firmen begeisterte Absolventinnen und Absolventen suchen, ist München auf jeden Fall einer der Top-Standorte in Deutschland.