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Karriere München

Die Münchner Schauspielerin Anna Wagner im Interview

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By Redaktion on 24. Juni 2026 Kultur, Stadtgespräch
Anna Wagner über die Arbeit als Schauspielerin: „Man muss bereit sein, spontan zu sein, viel arbeiten zu können und mutig zu sein.“ © Elena Zaucke

„Sei realistisch, aber lass trotzdem Platz zum Träumen“

Anna Wagner hat sich nicht zufällig für die Schauspielerei entschieden. Der Wunsch war früh da, klar sogar. Wirklich begriffen hat sie es erst, als sie nach einer Premiere in München im Innenhof stand, die Arme voller Blumensträuße, und merkte, dass aus dem Kindheitstraum Arbeit geworden war. Darüber spricht sie im Interview mit Karriere München.

Die Schauspielschule Zerboni in München gilt als eine der praxisnächsten privaten Ausbildungsstätten Deutschlands – mit eigener Agentur, die schon während der Ausbildung Drehtage vermittelt. Wie hat sich das bei dir angefühlt: zum ersten Mal für eine echte Produktion vor der Kamera zu stehen, während du noch mitten in der Ausbildung warst?
Wie oben schon erwähnt, war mein erstes Engagement über die „Agentur Fabelhaft“ eine Hauptrolle in einer Theaterproduktion. Mein erster Dreh folgte kurz darauf. Das war sehr aufregend für mich. Ich weiß noch wie nervös ich auf der Fahrt zum Set war und wie schön das Gefühl danach war, als ich die Feuerprobe „bestanden“ hatte. Ich habe daraufhin weitere tolle Projekte machen dürfen, unter anderem einen Kinofilm, der international nominiert wurde und mehrere Fernseh- und Theaterprojekte. Durch alle diese Erfahrungen am Set und auf der Bühne, habe ich schon früh unglaublich viel über mich und den Beruf gelernt und konnte selbstbewusst, fokussiert und vor allem mit viel Freude in die Branche starten.

Schauspiel ist ein Handwerk, aber auch ein sehr persönlicher Beruf. Welche Fähigkeiten oder Eigenschaften hast du mitgebracht, die dir geholfen haben – und was musstest du erst mühsam lernen oder an dir entwickeln, um auf diesem Level arbeiten zu können?
Ja, Schauspiel ist ein persönlicher Beruf, aber am Ende des Tages eben auch ein Job. Man muss lernen Absagen (die wirklich zum Alltag gehören) verkraften zu können und nicht alles zu persönlich zu nehmen. Das ist natürlich schwer, weil du das Instrument bist mit dem du arbeitest, aber das war ein wichtiges Learning für mich. Auch auf mich selbst und mein eigenes Gefühl zu vertrauen und zu merken, dass man nicht alles kontrollieren kann, war wichtig für mich zu erkennen. Wenn ich etwas wirklich will und für etwas brenne, wie für diesen Beruf, dann kann ich sehr hart arbeiten und habe einen sehr langen Atem. Mein Freund lacht wahrscheinlich, wenn er das liest, weil es viele Nächte gab, in denen ich wach geblieben bin, weil ich das Gefühl hatte, eine Figur zu knacken oder nachts um 3 noch ein Castingvideo aufgenommen habe. Es gab auch Tage an denen ich mich kaum bewegen konnte und trotzdem in die Schule, ans Set oder zur Probe gefahren bin, weil einfach unfassbar viele Leute daran hängen. Meine Leidenschaft und meine Lebensfreude sind auch wichtige Mitspieler, die ich immer wieder brauche, wenn der Workaholic wieder durchbricht.


Ich würde es sehr viel mehr bereuen meinen Traum erst gar nicht probiert zu haben, als dass er vielleicht am Ende nicht geklappt hat


Von der Showreel-Produktion bis zu TV-Produktionen wie Die Rosenheim-Cops oder Der Alte – wie sieht dein Arbeitsalltag als freischaffende Schauspielerin aus? Wie planst du deinen Beruf, wenn es keinen festen Stundenplan gibt?
Das ist eine gute Frage, die wirklich jede/n Schauspieler*in beschäftigt. Wichtig ist, immer offen und präsent zu bleiben. In einem selbst aber auch auf allen Plattformen und im Kontakt mit anderen aus der Branche. Für mich ist es gut, immer in Bewegung zu bleiben, meine Schauspielseiten aktuell zu halten und einen geregelten Tagesablauf zu haben, auch wenn man als Schauspieler*in nicht immer einen 9 to 5 Job hat. Viele kämpfen mit dem Gefühl nichts wert zu sein, wenn sie gerade nicht drehen oder ein Engagement haben und genau das muss man abschalten können. Auch ein zweiter Beruf ist nichts Ungewöhnliches oder an den verrücktesten Orten zu den unmenschlichsten Zeiten Castings aufzunehmen. Erfreulicherweise hat es bei mir nach der Ausbildung nicht allzu lange gedauert und ich werde bald als feste Hauptrolle in einer Fernsehserie spielen. Da werde ich zum ersten Mal die Erfahrung machen, eine lange Phase hindurch täglich zu drehen.

Wie sieht der Weg ins Schauspiel überhaupt aus – und wie war er bei dir? Braucht man zwingend eine Ausbildung wie die an der Zerboni, oder gibt es auch andere Wege? Und was würdest du jemandem empfehlen, der noch am Anfang steht: Sollte man schon Erfahrungen gesammelt haben, bevor man sich bewirbt – Schultheater, Kurse, Kleinproduktionen?
Seit ich klein bin, habe ich in Schultheatern gespielt und Unterricht an einer Kinder und Jugendschauspielschule genommen. Dann habe ich lange auch an staatlichen Schauspielschulen vorgesprochen. Mit der Zeit und durch den Vorsprechprozess ist mir aber klar geworden, dass ich vor allem vor die Kamera möchte und ich wusste, an der Zerboni bekomme ich die richtige Ausbildung dafür. Ich würde jedem Menschen empfehlen, wirklich mal ein Vorsprechen oder einen Workshop zu machen, um zu sehen ob das grundsätzlich was für einen ist. Es ist überhaupt nicht zwingend notwendig schon mal berufliche Erfahrung gesammelt zu haben. Manchmal ist das sogar gut, weil man dadurch erstmal die Möglichkeit hat, sich selbst zu entwickeln, kennenzulernen und ein gewisses Handwerk zu erlernen bevor es wirklich professionell ans Set oder vor die Kamera geht. Andere wiederum haben noch nie eine Schauspielschule von innen gesehen und gehen trotzdem einen tollen Karriereweg. Als Quereinsteiger, durch gute Kontakte oder andere Faktoren.

Was ich aber sagen kann: nichts ist ein Garant, dass der Beruf wirklich klappt. Es gehören so viele Faktoren dazu, dass sich eine Produktion am Ende für Dich entscheidet und auch die innere Ausrichtung spielt eine große Rolle. Manche Kolleg*innen drehen ständig neue Szenen für ihre Demobänder, machen neue Fotos, networken und trotzdem scheint sich nicht wirklich etwas zu bewegen. Andere sind manchmal genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Schauspiel wirkt von außen oft wie ein sehr extrovertierter Beruf – man steht im Rampenlicht, gibt sich vor anderen bloß. Aber wie ist das wirklich: Ist Schauspielerei etwas für zurückhaltende oder introvertierte Menschen? Und wie viel davon ist eigentlich Teamarbeit – mit Regisseur, Crew, anderen Darsteller*innen – und wie viel ist stilles, einsames Arbeiten an sich selbst und einer Rolle?
Wenn du in deinem Beruf aufgehst und eine Leidenschaft dafür hast, dann ist es ja egal wie du zuhause bist. Viele Schauspieler*innen sind im Alltag total introvertierte Menschen. Wichtig ist, dass man trotzdem gut in Kontakt gehen kann, denn am Set oder auf der Bühne ist absolute Teamarbeit gefragt. Die Rolle bereitest du für dich vor, das geht auch mit Coaches, wenn es eine besonders „schwere“ oder emotionale Szene gibt. Je nachdem wie groß die Rolle ist, sprichst du meistens auch vorher mit der Regie darüber. Sobald du dann das Set betrittst, ist die Zusammenarbeit essentiell um einen guten, möglichst stressfreien Dreh zu ermöglichen. Es gibt so viel mehr Faktoren für eine gelungene Produktion als nur gutes Spiel.

Was würdest du einem jungen Menschen, der gerade die Schule beendet und überlegt, ob Schauspiel wirklich das Richtige für ihn ist, mit auf den Weg geben – ganz ehrlich, ohne Beschönigung?
Sei realistisch, aber lass trotzdem Platz zum Träumen. Schauspiel ist ein Beruf, in dem du wirklich ein großes Vertrauen in dich selbst und das Leben brauchst. Es gibt momentan nicht viele Jobs, Produktionen werden abgesetzt oder gar nicht erst realisiert und trotzdem entscheiden sich jährlich immer mehr Menschen diesen Beruf machen zu wollen. Wichtig ist, es einfach mal zu probieren, dazu können ja auch erstmal Workshops oder die Teilnahme an freien Projekten zählen. Man muss bereit sein, spontan zu sein, viel arbeiten zu können und mutig zu sein. Und: woher willst Du wissen ob es das richtige ist, wenn du es garnicht erst probiert hast? Ich habe mir immer gesagt, ich würde es sehr viel mehr bereuen meinen Traum erst gar nicht probiert zu haben, als dass er vielleicht am Ende nicht geklappt hat.


© Elena Zaucke

Anna Wagner ist eine aufstrebende Münchner Schauspielerin, die ihre Ausbildung von 2022 bis 2025 an der renommierten Schauspielschule Zerboni absolvierte. Erste TV-Erfahrungen sammelte sie 2023 in der ZDF-Erfolgsserie Die Rosenheim-Cops, bevor sie 2025 in der ARD/ZDF/ORF-Krimiserie Der Alte eine Episodenhauptrolle übernahm. Parallel dazu ist sie auf der Theaterbühne aktiv, zuletzt 2025 in der Inszenierung Im Westen nichts Neues am a.gon Theater in München. Für ihre Arbeit in dem Kinofilm Die Akademie (2023) wurde sie beim Raindance Film Festival in der Kategorie „Best International Feature“ nominiert.

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