Ich bin dann mal weg – Vom Sinn und Unsinn eines Gap-Years

Die Idee, sich mal eine Auszeit vom Berufs- oder Studentenalltag zu nehmen, ist und bleibt ein großer Wunsch für Menschen, die sich persönlich und fachlich weiterentwickeln möchten. Hier stellt sich nun die Frage, wie ich sie als Karriereberaterin auch oft zu hören bekomme: Wie fülle ich die Auszeit sinnvoll und vor allem, wie begründe ich sie gegenüber jetzigen oder zukünftigen Arbeitgebern?

Um das zu klären, sollte man sich bewusst werden: Was ist denn ein Gap-Year? Man könnte es vielleicht so bezeichnen: Es ist ganz einfach (d)ein „Unterbrechungsjahr“, ein „Lückenjahr“, ein Jahr oder mehrere Monate, in dem du dir als Mensch eine Lücke in deinem Lebenslauf gönnst. Es kann keinen wirklich richtigen Zeitpunkt für eine Lücke geben, jeder muss für sich selbst entscheiden, wann er diese Lücke, diese Auszeit nehmen und wie er diese füllen möchte.

Dennoch gibt es passende und auch sinnvolle Zeitpunkte für dieses Gap. Diese sind wichtige Weggabelungen in deinem Leben, die den Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt einleiten. Nach dem Abitur, dem Bachelor- oder Masterstudium oder vielleicht nach dem ersten Job oder einer neuen, verantwortungsvollen Aufgabe.

Jungen Menschen ist heute das Studium beziehungsweise der Job sehr wichtig, genauso wie eine angemessene Work-Life-Balance; Freunde, die eigenen Hobbies, Reisen und das Kennenlernen andere Kulturen. Auch Sprachen und ehrenamtliches Engagement sind mindestens genauso wichtig oder müssen mit den Anforderungen des Jobs in Einklang gebracht werden. Um diese Life-Balance zu erreichen, ist es eben nötig, dass, nachdem man sehr viel gearbeitet hat, die Fokussierung wieder in einen anderen Bereich legt. So zum Beispiel nach dem Abitur, auf das man sehr viel gelernt und hingearbeitet hat. Wenn nun ein Gap-Year folgt, kann das helfen, die Studienentscheidung an der Weggabelung des Lebens klarer zu treffen.

Ein Gap wird so beispielsweise mit Auslandserfahrungen, Praktika in diversen Branchen und Funktionen, sozialem Engagement, Sprachreisen gefüllt – und zwar in unterschiedlicher Kombination. Dies setzt voraus, dass du dir vor dem Gap-Year überlegst, wie du dieses gestalten möchtest. Hier ist  aus meiner Sicht wichtig, dass du dieses auch selbst organisierst und nicht wie im Reisekatalog ein entsprechend universelles Angebot aussuchst. Darum will ein Gap-Year gut überlegt sein, damit es dein persönliches Jahr wird.

Was ist der Vorteil für ein Unternehmen und damit für deine Lebensstory, deinen Lebenslauf? Wie kannst du dieses persönliche Interesse einer Auszeit für deine Karriere nützen?

Wichtig ist hierbei folgende Fragen zu prüfen:

  • Woran möchte ich als Person reifen?
  • Welchen Nutzen habe ich persönlich davon?
  • Wo und was muss ich unbedingt noch erledigt oder erlebt haben, bevor ich zu studieren oder arbeiten beginne?
  • Welche neuen Kompetenzen kann ich in dieser Zeit erwerben oder welche kann ich noch vertiefen?
  • Was hat ein zukünftiger Arbeitgeber davon, wenn ich diese Auszeit nehme?

Ein Gap-Year ist nur dann eine Karrierebremse, wenn diese Fragen von dir nicht beantwortet werden können, und du in der Konsequenz die Recruitingabteilung hier nicht überzeugst. Welchen Rat kann ich dir als Karriereberaterin an dieser Stelle geben? Wenn du dich bewusst dafür entscheidest und nicht einem Mode-Trend folgst, dann kannst du auch bewusst und klar argumentieren, wofür und weswegen du diese Auszeit genutzt hast.

Überlege dir vor dem Gap-Year, was du damit erreichen und lernen willst, wähle dann dazu eine passende Auszeit (von mehreren Monaten oder einem Jahr) aus und genieße diese. Am Ende der Auszeit oder spätestens vor der nächsten Bewerbung geht es darum, zu reflektieren und zu überlegen:

  • Was hast du nun wirklich mitgenommen?
  • Was hat dich weitergebracht und woran bist du gewachsen?

Und wenn du diese dann für dich und im Gespräch mit konkreten Beispielen und Erlebnissen belegen kannst, hast du viel mehr zu bieten als jeder andere Bewerber.

Mit einem erfolgreich und sinnvoll überlegten und selbst organisierten Gap gelingt es dir, neue Bewältigungsstrategien im Umgang mit schwierigen und fremden Situationen unter Beweis zu stellen. Denn gerade die streng festgelegten Curricula und Creditpoints an den Universitäten erschweren dies derzeit manchmal doch. Du reifst als Person enorm und zeigst gleichzeitig eine große Portion Flexibilität und Veränderungsbereitschaft. Und genau das ist es, was die Unternehmen heutzutage angesichts einer sich ständig wandelnden und komplexen Gesellschaft suchen.

Werde in deiner Auszeit zur besten Version von dir selbst, reife ohne Druck und Lehrplan. Denn gerade diese Momente sind es, die dir dann in stressigen Zeiten Kraft und Gelassenheit geben. Der echte Blick über den Tellerrand, frei von Karrieregedanken, lohnt sich.


Gap-Year Claudia Sorg-Barth

Claudia Sorg-Barth, Expertin für erfolgreiche und zufriedene Karriereentwicklung

Weitere Informationen zu Claudia Sorg-Barth finden Interessierte unter www.sorg-barth.de.

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