Kommt für mich eine Ausbildung in der Metall- und Elektroindustrie in Frage?

Vom Elektroniker und Mechatroniker, über den Industriekaufmann bis hin zur Fachinformatikerin – die bayerische M+E Industrie bietet ein sehr breites Spektrum an Ausbildungsberufen. Für all diejenigen, die gerade auf der Suche nach einer passenden Ausbildung sind, lohnt sich ein Blick in die verschiedenen Perspektiven, die die Industrie bietet. Denn hier ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Die Metall- und Elektroindustrie in Bayern beschäftigt insgesamt 835.769 Mitarbeiter und ist mit einem Umsatz von 265 Milliarden Euro im Jahr 2017 einer der wichtigsten Träger der bayerischen Wirtschaft. Knapp 30 Prozent der Beschäftigten leben und arbeiten dabei im Regierungsbezirk Oberbayern, der mit München als wirtschaftlichem Zentrum den Kern der M+E Industrie bildet.

Die Ausbildungssituation in den Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektroindustrie bewegt sich weiterhin auf Rekordniveau. Gemäß einer Umfrage unter den bayme vbm Mitgliedsbetrieben werden für das Ausbildungsjahr 2018 zirka 15.200 Ausbildungsverträge abgeschlossen. Auch für das Jahr 2019 soll diese Zahl in etwa konstant bleiben.

Trotzdem sieht sich die Industrie mit einem Problem in der Ausbildungssituation konfrontiert, denn nach Angaben einiger Unternehmen fehle es an geeigneten Bewerbern. Andere Betriebe berichten wiederum, es seien schlicht zu wenige Bewerber vorhanden. Ob ein Bewerber als geeignet oder ungeeignet für einen speziellen Ausbildungsplatz gilt, kann von mehreren Faktoren abhängig sein. Fachliche Fähigkeiten, sogenannte Hard Skills, werden primär in der Ausbildung vermittelt. Somit scheint es auf den ersten Blick eher unwahrscheinlich, dass ein Bewerber ohne diese Fähigkeiten als ungeeignet eingestuft wird. Komplett unbedarft dürfen Interessenten trotzdem nicht sein: Es wird beispielsweise darauf geachtet, dass ein Kandidat für einen Ausbildungsplatz als Fachinformatiker in der Schule gute Leistungen in Mathematik und Informatik gezeigt hat. Ferner wird auch ein Bewerber mit zwei linken Händen und ohne jegliches technisches Geschick, der sich dennoch für eine Ausbildung als Industriemechaniker bewirbt, wohl nicht sehr weit kommen.

Woran scheitert deine Bewerbung vielleicht?

Auch an fehlenden außerfachlichen Qualifikationen, die sowohl persönliche als auch soziale Kompetenzen umfassen – die sogenannten Soft Skills –, kann eine Bewerbung scheitern. Selbstvertrauen, Disziplin, Kommunikations- und Teamfähigkeit und strukturiertes Denken sind dafür nur einige Beispiele. Angehende Azubis können diese Skills durch Praktika oder Hobbies erlernen, beziehungsweise ausbauen. Besonders im Vorstellungsgespräch sollte man darauf achten, dass diese Fähigkeiten durchscheinen und zur Geltung kommen. Schaut man sich also ein wenig nach einem Ausbildungsplatz um, dessen Anforderungen  sich mit den persönlichen fachlichen Qualifikationen decken, und arbeitet man etwas an seinen außerfachlichen Kompetenzen, bietet die M+E Industrie aufgrund des Stellenüberhangs eine unterschätzte Vielzahl an Einstiegsmöglichkeiten in das Arbeitsleben.

Die Antwort, dass es zu wenige Bewerber gebe, ist ebenfalls interessant. Denn es ist nicht ganz klar, ob es wirklich zu wenig Interessierte gibt oder ob hier das sogenannte Matchingproblem greift. Das entsteht, wenn die Anforderungen eines Bewerbers an einen Betrieb mit dessen Bedarf nicht zusammenpassen. In dieser Situation ist dann womöglich eine dritte Partei erforderlich, ein sogenannter Mittler, der dafür sorgt, dass die richtigen Bewerber die passenden Unternehmen finden.

Übernahme nach der abgeschlossenen Ausbildung?

Bevor man eine Ausbildung antritt, will man natürlich auch wissen, wie groß die Chancen auf eine Übernahme in das Unternehmen nach der Ausbildung sind. In der M+E Industrie sind diese Chancen herausragend: 92,8 Prozent der Unternehmen übernehmen ihre Auszubildenden, davon 65 Prozent unbefristet, 5 Prozent nach einem Jahr entfristet und 22,8 Prozent befristet. Somit werden nur 7,2 Prozent der Azubis nicht übernommen. Diese teilen sich auf in die 1,9 Prozent, die vom Unternehmen abgelehnt werden und die 5,3 Prozent, von denen der Impuls selbst ausgeht. Für das Jahr 2019 lautete die Prognose, dass sogar ein noch höherer Prozentsatz an Auszubildenden übernommen werden soll. Ferner planen die Betriebe die Anzahl der Azubis, die unbefristet oder ein Jahr lang befristet übernommen werden, noch zu erhöhen.

Für eine gute Ausbildung ist es wichtig, verschiedene Erfahrungen zu sammeln und möglichst viele und abwechslungsreiche Perspektiven des Berufslebens zu erleben. Damit das gelingt, nehmen einige Unternehmen an einer sogenannten Lernortkooperation teil. Dies ist immer dann der Fall, wenn nicht alle Aspekte der Ausbildung alleine abgedeckt werden können. 24,4 Prozent der Betriebe nutzen dementsprechende Verbundmodelle in der Ausbildung. Dabei gibt es die Möglichkeiten des Kooperationsverbundes, der Ausbildung mit einem Partnerbetrieb, des Ausbildungsvereins und der Auftragsausbildung. Die vier unterschiedlichen Verbundmodelle haben eines gemeinsam: Sie bieten den Azubis die Möglichkeit, unterschiedliche Betriebe während der Ausbildung kennenzulernen und Erfahrungen in mehr als einem Arbeitsumfeld zu sammeln.

Erfolg lebt von Vielfalt

Ein weiterer erfreulicher Aspekt der Ausbildungssituation in der M+E Industrie ist, dass die Zahl der Unternehmen, die Ausbildungsstellen mit Flüchtlingen und Asylbewerbern besetzen und somit maßgeblich zu deren Integration beitragen, im Vergleich zum Vorjahr von 22,3 auf 28,1 Prozent angestiegen ist. Der Großteil  wird dabei in einem Metallberuf ausgebildet. Ein etwas kleinerer Teil der Ausbildungen fällt auf Elektroberufe und kaufmännische oder IT-Berufe. Im Gegenzug ist die Zahl der Unternehmen, die Praktikumsplätze mit Flüchtlingen besetzen, von 49 auf 33,8 Prozent gesunken. Wie diese Zahl zu bewerten ist, ist nicht ganz klar. Einerseits kann es sein, dass die Unternehmen einfach weniger Praktika vergeben. Andererseits könnte auch spekuliert werden, dass der Anstieg der Flüchtlinge, die eine Ausbildung antreten, dazu führt, dass weniger eine Praktikumsstelle besetzen.

In einer Industrie, in der nur 26 Prozent der Auszubildenden weiblich sind, ist es wichtig, für eine bessere Zugänglichkeit zu sorgen und Mädchen schon früher mit den verschiedenen Berufsmöglichkeiten vertraut zu machen. Die Girls‘ Day Akademie ist für dieses Unterfangen ein wichtiges Vorbild. Gestartet von bayme vbm und der Agentur für Arbeit im Jahr 2013, hilft das Projekt Mädchen an 16 Akademien in Bayern – so auch beispielsweise in der Hermann-Frieb-Realschule München – ein ganzes Schuljahr lang ihre technischen Fähigkeiten zu erproben und einen Einblick in die vielfältigen Berufe der Industrie zu erhalten. Im Vordergrund stehen dabei die sogenannten MINT-Berufe; Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Im Zeitraum von 2017 bis 2019 fördert bayme vbm das Projekt mit 555.000 Euro. 802 Schülerinnen haben bereits an der Girls‘ Day Akademie teilgenommen. Somit der Aufruf an alle Mädels: Sollte Interesse an dem Projekt bestehen, schnappt euch eure Freundinnen und informiert euch, ob das Projekt in eurer Nähe oder womöglich sogar an eurer Schule angeboten wird!

Auch für alle anderen gilt: Wenn ihr euch gerade in der Situation befindet, kurz vor dem Ende eurer Schullaufbahn zu stehen, ohne genau zu wissen, wie die Reise weitergehen soll, dann werft einen Blick in die bayerische Metall- und Elektroindustrie. Denn wer ein wenig Zeit in die Erkundung der verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten investiert, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Beruf in einem passenden Unternehmen finden, für den man morgens gerne aufsteht.

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