Anna Striesow: „Nicht nur helle Farben in der Schauspielwelt“

Ihr Studium der Theaterwissenschaften in Leipzig brach Anna Striesow ab, als sie einen der begehrten Plätze an der Münchner Otto Falckenberg Schule erhielt – um Schauspielerin zu werden. Mit Erfolg, denn 2018 wird sie im Kinofilm „Die kleine Hexe“ zu sehen sein. Doch wer seinen Traum zur Realität macht, bekommt es auch mit der einen oder anderen Herausforderung zu tun …

Frau Striesow, seit 2013 sind Sie in München für Ihre Ausbildung an der Schauspielschule. Warum haben Sie sich für München entschieden?
Tatsächlich war die Otto Falckenberg Schule die erste Schule, die mich aufgenommen hat. Es kann ein sehr langer Prozess sein, um an einer staatlichen Schauspielschule überhaupt akzeptiert zu werden. Da war ich einfach dankbar, dass es generell geklappt hat. Außerdem wollte ich schon immer einmal an einen Ort ziehen, wo ich wirklich Niemanden kenne.

Wie darf man sich das Leben und die Ausbildung an einer Schauspielschule vorstellen?
Die Ausbildung an einer Schauspielschule ist sehr praktisch. Man setzt sich viel mit seinem Körper auseinander. Ob im Körper- und Rollenunterricht, oder beim Sprechen und Singen. Ab und zu hat man dann auch ein ganz kleines Bisschen Theorie in der Woche.

Das Leben an meiner Schauspielschule ist ein auf und ab. Man hat wenig Freizeit und die, die man hat, nutzt man dafür, um sich weiter mit sich selbst auseinander zu setzen. Man lernt auch, was Schauspiel wirklich für Einen bedeutet. Metaphorisch gesagt: Das Leben an einer Schauspielschule ist eine bunte Farbpalette und man lernt auch die dunklen Farben zu sehen und sich nicht von all den Hellen blenden zu lassen.

Was war die bisher größte Herausforderung Ihrer Karriere?
Für mich ist auf jeden Fall die größte Herausforderung, dran zu bleiben, nicht aufzugeben und mir immer wieder zu sagen, dass ich es drauf habe. Der Markt für Schauspieler ist ziemlich überfüllt. Das wird einem auch von Anfang an gesagt, bloß was das wirklich bedeutet, das weiß man nicht. Und solange man noch auf der Schule ist, kann man sich die Realität noch ein wenig fern halten und hofft insgeheim ,entdeckt’ zu werden. Doch das passiert so selten, sodass man eigentlich sagen kann: Es passiert nicht. Die größte Herausforderung für mich ist dabei, die eigene Dringlichkeit, mein persönliches ,Ich will aber!!!’ nicht zu verlieren. Nicht aufzugeben, immer wieder aufzustehen und einfach zu machen.

Gab es in dieser Ausbildung etwas, was Sie überrascht hat?
Nein, gar nicht. Es ist eher absurd, wie schnell alles zur Normalität dazugehört.

Wo in München können Sie am besten entspannen?
An der Isar oder auf dem Balkon meiner WG.

Was planen Sie für die nächsten Jahre?
Es ist soooo schwierig etwas zu planen in meiner Branche. Ich glaube man kann sich nur etwas wünschen und versuchen darauf hin zu arbeiten. Ich hoffe, dass ich die nächsten paar Jahre irgendwo fest am Theater spielen kann und falls ich nebenbei die ein oder andere Sache im Film- und Fernsehbereich drehen könnte, würde mich das auch sehr glücklich machen. Ich merke gerade, eigentlich kann ich das gar nicht so genau sagen. Hauptsache, ich darf spielen! Aber ich bin auch der Überzeugung, dass ich in ein paar Jahren zurück blicken werde und denke: ,Ich hätte damals niemals gedacht, dass mein Weg so verlaufen würde…’.

Wenn Sie nicht auf der Bühne/ vor der Kamera stehen, dann sind Sie höchstwahrscheinlich …?
… in den Bergen, an der Ostsee, an einem See, im Wald oder auf dem Feld. Höchstwahrscheinlich in der Natur!


Stand: Frühjahr 2017

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